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22.05.2010, WAZ/NRZAlexander Waldhelm
Hört man seinen Werdegang, wundert man sich zwangsläufig, dass dieses Urgestein des Mülheimer Fechtsports überhaupt außer Sichtweite einer Planche anzutreffen ist. Am Sonntag wird Knut Oetter 70 Jahre alt.
„Ich bin 1948 in die Mülheimer Turngemeinde 1856 eingetreten – wegen Leichtathletik“, erklärt er. „Damals mussten wir aus drei Metern Höhe in aufeinander gestapelte Matten springen. So ´was würde es heute nicht mehr geben.“ Sein Vater Hans gab fünf Jahre später den Ausschlag dafür, dass sich Knut Oetter dem Fechtsport zuwandte – und bestimmte damit maßgeblich den weiteren Lebensweg seines Sohnes bis zum heutigen Tag: „Mein Vater meinte irgendwann: ‚Du bist so ein ruhiger Typ, wir müssen etwas anderes für Dich finden! Du gehst jetzt fechten!‘“ Ganz so einfach war der Eintritt in die damals bereits seit etwa einem halben Jahrhundert bestehende Fechtabteilung der TG 1865 jedoch nicht: „Um einzutreten, brauchte man damals einen Bürgen“, erzählt Oetter. Eine fechtende Freundin der Familie übernahm diesen Part und so trat er der Fechtabteilung 1953 bei.
„Im Turnraum des Vereins an der Kaiserstraße war ein Kino eingerichtet, in dem die Alliierten Filme guckten. Direkt daneben war ein weiterer Raum, der Jahnsaal. Dort haben wir trainiert. Ich habe mit dem Florett angefangen. Wir waren damals vier Jungs – die anderen Mitglieder waren alle Mitte bis Ende 50.“ Irgendwann um 1960-62 herum kam dann der Wechsel: „Mein damaliger Trainer sagte damals zu mir: ‚Du fichst jetzt Säbel‘“ und da Widerworte nicht erwünscht waren, fügte sich der damals etwa Zwanzigjährige dessen Willen und blieb dabei - bis heute. „Ich war schnell, ich war nicht zimperlich, ich konnte mich gut bewegen – der Säbel lag mir.“
Im Berufsleben folgte Knut Oetter übrigens zunächst seinem Vater nach, erwarb den Gesellenbrief eines Bäckers und Konditors und arbeitete im elterlichen Betrieb. Nachdem dieser geschlossen war, absolvierte er eine Ausbildung zum Industrieschlosser bei Siemens Turbinen und Generatoren, wo er dann bis zum Renteneintritt 1998 – zuletzt in der Qualitätssicherung – tätig war.
1999 führten Querelen mit dem TG 1856 zu einer Abspaltung der Fechtabteilung vom Gesamtverein. So entstand der Fechtsportverein Mülheim an der Ruhr 1999 mit zunächst etwa 80 Säbel- und zwölf Florettfechterinnen und –fechtern. „Vor fünf Jahren haben wir uns dann entschieden, nur noch mit dem Säbel zu fechten – und bis auf eine einzige Sportlerin haben alle gewechselt. Wir haben jetzt 120 Mitglieder, die von drei Trainern und zwei Übungsleitern betreut werden.“
Die bisherigen Ergebnisse können sich allesamt sehr gut sehen lassen: „Wir hatten immer ´mal wieder zweite und dritte Plätze bei Deutschen Meisterschaften.“ Da liegt nicht fern, dass Knut Oetter noch ein großes, sportliches Ziel erreichen will: „Ich möchte irgendwann einmal mindestens einen Deutschen Meister haben.“ Wir drücken die Daumen und alles Gute zum Geburtstag.